Auch HP springt auf den Zug passiv gekühlter Business Notebooks auf und bietet mit dem EliteBook Folio G1 ein besonders leichtes und dünnes 12,5-Zoll-Gerät. Dass wir es nicht mit einem Leistungswunder zu tun haben, ist keine Überraschung, aber kann man mit dem kleinen Subnotebook trotzdem produktiv arbeiten?
Nachdem wir vor kurzem erst das dünnste Notebook der Welt von HP getestet haben (Test zum Spectre 13), haben wir es heute mit dem HP EliteBook Folio G1 zu tun. Laut HP handelt es sich hierbei sogar um das dünnste und leichteste Business Notebook der Welt, welches auf der diesjährigen CES präsentiert wurde. Dank dem sparsamen Core-m-Prozessor von Intel kann das Gerät passiv gekühlt werden und verzichtet auf jegliche Lüfter. Bisher waren diese Prozessoren oft nur in kompakten Notebooks bzw. Convertibles für Privatkunden anzutreffen, doch der Namenszusatz EliteBook deutet auf die Business-Tauglichkeit des Folio G1 hin. Uns interessiert daher natürlich, ob das Folio G1 auch tatsächlich produktiv eingesetzt werden kann, oder ob die Einschränkungen aufgrund der flachen Konstruktion zu groß sind.

Im Gegensatz zu anderen Business-Geräten von HP gibt es aktuell nur eine vergleichsweise geringe Anzahl an Konfigurationen. Zur Auswahl stehen insgesamt vier Prozessoren (Core m3, m5 und m7), verschiedene M.2-SSDs sowie vier verschiedene IPS-Displays (FHD spiegelnd, FHD matt, FHD Touchscreen, 4K Touchscreen). Unser Testgerät des EliteBook Folio G1 trägt die Bezeichnung V1C37EA und ist mit einem Core m5, 8 GB RAM, 256 GB PCIe-SSD und einem matten FHD-Bildschirm bereits sehr ordentlich ausgestattet. Die Preise für das EliteBook Folio G1 liegen bei ~1.500-2.200 Euro.

Mit einem Kaufpreis von etwas mehr als 1.500 Euro ist unser EliteBook Folio G1 zwar eine der günstigsten Konfigurationen, aber sicherlich kein Schnäppchen. Dennoch sind wir beim Vergleich mit den Konkurrenten überrascht, da sich vor allem unser Modell in dieser Beziehung als sehr konkurrenzfähig präsentiert. Die offensichtliche Alternative ist ganz klar das MacBook 12 von Apple, welches mit einem Core m3 für 1.450 Euro erhältlich ist (Core m5 + 512-GB-SSD für 1.800 Euro). Ein weiterer passiv gekühlter Kandidat ist das Asus ZenBook UX305CA für rund 1.300 Euro. Auch das kürzlich getestete Dell Latitude 7370 verwendet den Core m, ist in einer vergleichbaren Konfiguration mit rund 3.200 Euro aber deutlich teurer. Da Dell jedoch regelmäßig große Rabatte gewährt (aktuell 35 %), wollen wir es ebenfalls als Konkurrent aufführen.

Unsere weiteren Vergleichsgeräte sind allesamt etwas schwerer, dicker und aktiv gekühlt, bieten dank der vollwertigen Core-i-Prozessoren aber auch mehr Leistung. Einige unserer Testkonfigurationen sind zwar deutlich teurer, die Einstiegsmodelle liegen aber auf dem Niveau des EliteBook Folio G1 bzw. nur leicht darüber oder darunter. Wir haben uns für die folgenden Geräte entschieden: Dell XPS 13 FHD (ab 1.250 Euro), Lenovo ThinkPad X1 Carbon (ab 1.700 Euro) und EliteBook Folio 1040 G3 . Ersatzakku HP EliteBook 8730w .
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Dimensionen des HP EliteBook Folio G1. Mit einer Bauhöhe von nur 12,4 mm (ohne Standfüße) unterbietet unser Testgerät alle anderen Vergleichsgeräte, inklusive dem Apple MacBook 12. Letzteres nimmt jedoch eine kleinere Stellfläche ein und wiegt zudem einige Gramm weniger. Danach folgen die beiden Geräte von Dell, die etwas größer ausfallen und mit ~1,2 Kilogramm auch schon spürbar mehr wiegen. Die anderen drei Vergleichsgeräte fallen vor allem bei der Stellfläche größer aus, was auch in dem nachfolgenden Größenvergleich gut zu sehen ist. Insgesamt ist das EliteBook Folio G1 also überaus mobil und kann bequem in der Tasche verstaut werden. Die Konfiguration mit dem 4K-Touchscreen ist rund 100 Gramm schwerer, bei den anderen Dimensionen gibt es aber keine Unterschiede.

Trotz der kompakten Bauweise bleibt HP seiner Designsprache treu, und das Folio G1 gibt sich ganz klar als EliteBook zu erkennen. Das Gehäuse besteht aus Aluminium und hinterlässt mit den silber-schimmernden Oberflächen einen sehr edlen Eindruck. Dazu passen auch die polierte umlaufende Kante auf der Oberseite der Baseunit sowie das glänzende Scharnier. Dieses steht leicht vom Gehäuse ab und erinnert uns spontan an das Chromebook Pixel. Sobald man das Laptop dann öffnet, fallen sofort die schwarze Tastatur und der schwarze Bildschirmrahmen auf, die einen angenehmen Kontrast zu dem Rest des Gehäuses bilden. An den beiden Seiten fällt der Rahmen angenehm schmal aus, aber vor allem unterhalb des Displays ist noch viel Platz; ein 16:10-Panel hätte hier sehr gut gepasst. Auf dem Bildschirmdeckel finden wir abschließend noch das spiegelnde HP Logo sowie einen schmalen Kunststoffstreifen, hinter dem sich vermutlich die WLAN-Antennen verbergen. Optisch ist das EliteBook Folio G1 auf jeden Fall ein Hingucker.

Aber auch bei der Stabilität sowie der Verarbeitung muss sich das Testgerät keinesfalls verstecken. Lediglich der mittlere Tastaturbereich lässt sich minimal herunterdrücken, allerdings muss man schon sehr viel Kraft aufwenden. Ansonsten lässt sich die Base weder eindrücken noch verwinden. Der Bildschirmdeckel ist im Vergleich zur Base gar nicht so dünn und kann ebenfalls mit seiner guten Stabilität überzeugen. Zwar kann man ihn ein wenig verwinden, doch Bildstörungen oder Knarzgeräusche können wir nicht provozieren. Das gilt auch für Druck auf die Rückseite des Deckels. Das kleine EliteBook Folio G1 hat insgesamt 12 Tests des militärischen Standards MIL-STD-810G bestanden (Temperatur, Feuchtigkeit, Staub usw.). Zu der Verarbeitung brauchen wir nicht viel zu sagen, denn sie ist makellos. Wir entdecken keine scharfen Kanten, und alles passt perfekt.

Ganz ohne Problem kommt aber auch das kleine EliteBook nicht aus. Das Sorgenkind ist das Displayscharnier, welches augenscheinlich äußerlich aus Kunststoff besteht. Es ist zwar sehr leichtgängig und ermöglicht einen Öffnungswinkel von bis zu 180 Grad, aber es ist einfach nicht straff genug, um deutliches Nachwippen zu verhindern. Zudem kann sich der Deckel auch sehr leicht einen Spalt öffnen. Hier würde eine magnetische Befestigung helfen.
Zwar ist das HP EliteBook Folio G1 mit zwei USB-3.1-Anschlüssen (Gen.2) samt Thunderbolt-Unterstützung besser aufgestellt als das MacBook 12 (1x USB 3.1 Type-C Gen. 1), aber dennoch benötigt man aufgrund des Type-C-Steckers praktisch immer einen Adapter, um aktuelle Peripherie anzuschließen. HP bietet diese optional auch an (USB 3.0, HDMI, DisplayPort, RJ45), doch zum Lieferumfang gehören sie nicht. Bei diesem Preis hätten wir zumindest einen Adapter auf USB-A erwartet. Auch auf den obligatorischen 3,5-mm-Audioanschluss müssen wir nicht verzichten, doch einen SD-Kartenleser bekommen wir leider nicht.Ersatzakku HP COMPAQ 6715b .

Obwohl es also nur drei Steckplätze gibt, sind wir mit dem Layout nicht ganz zufrieden. Beide USB-Anschlüsse befinden sich nämlich auf einer Seite, je nach Lage der Steckdose wäre ein Anschluss pro Seite deutlich komfortabler gewesen. Die Leistung der USB-Anschlüsse geht derweil in Ordnung. Mit unserer externen Samsung SSD T3 liegt die Transferrate bei guten 370 MB/s.
Ein Netzwerkstecker könnte via Adapter realisiert werden, primär wird das EliteBook Folio G1 aber wohl kabellos mit Netzwerken kommunizieren. HP setzt hierbei auf das beliebte Modul Dual-Band Wireless-AC 8260 von Intel, welches neben allen gängigen WLAN-Standards (inkl. dem schnellen 802.11ac) auch Bluetooth 4.2 und Wireless Display (WiDi) unterstützt. Theoretisch liegen die Transferraten bei bis zu 867 Mbit/s. In unserem standardisierten WLAN-Test mit dem Router Linksys EA8500 (kurze Entfernung und Sichtverbindung) konnten wir sehr gute ~79 MB/s beim Empfangen von Daten messen (~51 beim Senden). Damit gehört das EliteBook Folio G1 zu den schnellsten Geräten, die wir bisher getestet haben. Im Test war das Signal zudem sehr stabil. Ein WWAN-Modul ist für das EliteBook Folio G1 nicht erhältlich. Um auch mobil ins Internet zu gelangen, muss man also entweder einen UMTS-/LTE-Stick nutzen (via Adapter) oder eine Verbindung über das Smartphone (Tethering) herstellen.

Über dem Display befindet sich die bekannte HD-Webcam, die wir bereits aus den anderen Modellen der EliteBook Baureihe kennen. Auch hier können wir uns recht kurz fassen: Für Konferenzen oder Skype Telefonate reicht die Qualität aus, für vernünftige Bilder sollte man aber lieber das Smartphone nehmen. Das Mikrofon gefällt uns besser und überzeugt mit klaren Aufnahmen der Stimmen.
In dieser Sektion muss das EliteBook Folio G1 gegenüber seinen Business-Kollegen Federn lassen. Wir bekommen weder einen Fingerabdruck-Scanner noch einen SmartCard Reader und noch nicht einmal einen Steckplatz für ein Kensington Lock. Ganz hoffnungslos ist die Situation aber nicht, denn HP implementiert ein TPM-Modul (2.0, EAL4+) und installiert die bekannte ClientSecurity Software, in der viele Einstellungen zusammengefasst sind (z. B. Verschlüsselung der Festplatte). Auch andere bekannte Tools wie HP BIOSphere, HP SureStart usw. sind vorhanden. Neben der normalen HD-Webcam gibt es auch eine IR-Kamera für die Verwendung mit Windows Hello. Damit ist die Gesichtserkennung auch im Dunkeln möglich, und der Vorgang klappte im Test sehr zuverlässig. Intels vPro-Technologie wird nur in Verbindung mit dem Core-m7-Prozessor unterstützt. Einige Konfigurationen sind zudem mit selbstverschlüsselnden SSDs verfügbar (OPAL-2.0-Standard).

Die Verpackung des EliteBook Folio G1 ist ebenfalls sehr ansprechend gestaltet, doch auf das Zubehör hat das keinen Einfluss. In der Box finden wir nämlich nur das Notebook selbst, das 45-Watt-Netzteil und die üblichen Serviceheftchen. Wie wir bereits erwähnt haben, bietet HP optional eine Reihe von Adaptern für die USB-C-Anschlüsse an. HP bietet auch zwei Dockingstationen an, wobei es sich bei dem USB-C Travel Dock (~125 Euro) nicht um eine klassische Dockingstation handelt, da keine Stromversorgung erfolgt. Das ist mit der Dockingstation HP Elite Thunderbolt 3 Dock für rund 220 Euro möglich, womit sich das EliteBook Folio G1 leicht in die Arbeitsumgebung einbinden lässt.
Die komplette Unterseite lässt sich abnehmen, nachdem einige Torx-Schrauben (T5) entfernt wurden. Viel zu tun gibt es aber nicht, denn hier lässt sich nur die M.2-SSD (2280) austauschen. Da in unserem Testgerät bereits eine schnelle PCIe-SSD arbeitet, macht dieser Schritt nur Sinn, falls man noch mehr Speicherkapazität benötigt. Das erneute Aufsetzen des Deckels war etwas fummelig, da die Bodenplatte sehr stramm sitzt.
Der Garantiezeitraum für das HP EliteBook Folio G1 liegt bei drei Jahren und beinhaltet einen Pickup & Return Service. Optional bietet HP zudem Care Packs an, mit denen sich sowohl der Garantiezeitraum als auch der Umfang der Servicearbeiten gegen Aufpreis erweitern lässt. Das Upgrade auf einen dreijährigen Vor-Ort-Service (UQ823E) kostet rund 360 Euro; das Upgrade auf 5 Jahre Vor-Ort-Service inklusive dem Einbehalten der Festplatte (UE337E) kostet rund 400 Euro.
Kann solch ein dünnes Gerät überhaupt eine gute Tastatur haben? Die Antwort ist in diesem Fall - auch zu unserer Überraschung - ganz klar ja. Die schwarzen und glatten Tasten bieten einen Hubweg von nur etwas mehr als einem Millimeter, während es bei vielen anderen kompakten Geräten etwa 1,3-1,5 mm sind (MacBook 12: 0,5 mm). Dank dem gut eingestellten Feedback ist das Tippgefühl aber dennoch sehr satt und damit sehr angenehm. Zudem klappern die Tasten auch nicht herum, und insgesamt bleibt die Lautstärke beim Tippen erfreulich gering.

Wir hatten das EliteBook Folio G1 jetzt knapp 2 Wochen im Test und haben es während dieser Zeit zum Schreiben dieses Testberichts und auch für andere Artikel genutzt. Insgesamt gefällt uns die Eingabe besser als bei dem EliteBook Folio 1040 G3. Sie muss sich auch nicht hinter dem ThinkPad X1 Carbon verstecken. Uns persönlich hat in letzter Zeit nur die Tastatur des größeren ThinkPad T460s noch etwas besser gefallen. Aber gerade in Anbetracht der kompakten Konstruktion können wir HP in diesem Punkt nur loben; auch Vielschreiber werden mit der Eingabe sehr zufrieden sein.

Bei dem Layout können wir eigentlich nur die schmalen vertikalen Pfeiltasten kritisieren. Die Funktionstasten fallen ebenfalls etwas kleiner aus, und standardmäßig werden die Zusatzfunktionen (Helligkeit, Lautsprecher usw.) ausgeführt, während die regulären F1-F12-Funktionen nur in Verbindung mit der Fn-Taste funktionieren. Diese Belegung lässt sich im BIOS ändern, aber nicht im laufenden Betrieb. Zudem lässt sich im BIOS die Funktion der Fn- und Strg-Taste vertauschen. Ersatzakku HP EliteBook 8530p .

Auch auf eine weiße LED-Beleuchtung muss man nicht verzichten. Es gibt zwei verschiedene Intensitätsstufen, standardmäßig wird sie 15 Sekunden nach der letzten Eingabe ausgeschaltet. Auch dieses Verhalten lässt sich im BIOS ändern (5 s, 15 s, 30 s, 1 m, 5 m, nie). Hinweis: Im Gegensatz zu den übrigen EliteBooks ist die Tastatur des EliteBook Folio G1 nicht spritzwassergeschützt.